A, a, a, der Winter der ist da

A, a, a, der Winter der ist da.
Herbst und Sommer sind vergangen,
Winter, der hat angefangen.
A, a, a, der Winter der ist da.
E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.
Blumen blüh´n an Fensterscheiben,
Sind sonst nirgends aufzutreiben.
E, e, e, nun gibt es Eis und Schnee.
I, i, i, vergiss des Armen nie.
Hat oft nichts, sich zuzudecken,
Wenn nun Frost und Kält´ ihn schrecken.
I, i, i, vergiss des Armen nie.
O, o, o, wie sind wir alle froh.
Wenn der Niklaus wird was bringen
Und vom Tannenbaum wir singen.
O, o, o, wie sind wir Kinder froh.
U, u, u, die Teiche frieren zu.
Hei, nun geht es wie der Wind
Übers blanke Eis geschwind.
U, u, u, die Teiche frieren zu

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)

Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
ich hab' nichts, was mich freuet.
Verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume.
Da rührt er seinen Wipfel sacht
und redet wie im Traume.

Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob wird rauschen.

( Joseph von Eichendorff )

Altes Kaminstück

Draußen ziehen weiße Flocken
durch die Nacht, der Sturm ist laut.
Hier im Stübchen ist es trocken,
warm und einsam, still vertraut.

Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
an dem knisternden Kamin.
Kochend summt der Wasserkessel
längst verklungne Melodien.

Und ein Kätzchen sitzt daneben,
wärmt die Pfötchen an der Glut.
Und die Flammen schweben, weben;
Wundersam wird mir zu Mut.

Dämmernd kommt heraufgestiegen
manche längst vergessne Zeit.
Wie mit bunten Maskenzügen
und verblichner Herrlichkeit.

Schöne Frauen, mit kluger Miene,
winken süß geheimnisvoll,
und dazwischen Harlekine
springen, lachen, lustig toll.

Ferne grüßen Marmorgötter,
traumhaft neben ihnen stehn
Märchenblumen, deren Blätter
in dem Mondenlichte wehn.

Wackelnd kommt herbei geschwommen
manches alte Zauberschloss.
Hintendrein geritten kommen
blanke Ritter, Knappentross.

Und das alles zieht vorüber,
Schatten hastig übereilt.
Ach, da kocht der Kessel über,
und das nasse Kätzchen heult.

( Heinrich Heine )

Winter (Der Säntis)

Aus Schneegestäub' und Nebelqualm
bricht endlich doch ein klarer Tag.
Da fliegen alle Fenster auf,
ein Jeder späht, was er vermag.

Ob jene Blöcke Häuser sind?
Ein Weiher jener ebne Raum?
Fürwahr, in dieser Uniform,
den Glockenturm erkennt man kaum.

Und alles Leben liegt zerdrückt,
wie unterm Leichentuch erstickt.
Doch schau - an Horizontes Rand
begegnet mir lebend'ges Land.

Du starrer Wächter, lass' ihn los
den Föhn aus deiner Kerker Schoß!
Wo schwärzlich jene Riffe spalten,
da muss er Quarantaine halten.

Der Fremdling aus der Lombardei,
O Säntis, gib den Thauwind frei!

( Annette von Droste-Hülshoff )

Winter

Ein weißes Feld, ein stilles Feld,
aus veilchenblauer Wolkenwand,
hob hinten, fern am Horizont,
sich sacht des Mondes roter Rand.

Und hob sich ganz heraus und stand
bald eine runde Scheibe da,
in düstrer Glut. Und durch das Feld
Klang einer Krähe heisres Krah.

Gespenstisch durch die Winternacht
der große dunkle Vogel glitt,
und unten huschte durch den Schnee
sein schwarzer Schatten lautlos mit.

( Gustav Falke )