An der Krippe

Kleiner Knabe, großer Gott, 
schönste Blume, weiß und rot, 
von Maria neugeboren, 
unter tausend auserkoren, 
allerliebstes Jesulein, 
lasse mich dein Diener sein!

Nimm mich an, geliebtes Kind, 
und befiel mir nur geschwind, 
rege deine süßen Lippen, 
rufe mich zu deiner Krippen: 
tu mir durch deinen holden Mund 
deinen liebsten Willen kund.

Dir soll meine Seel' allzeit 
samt den Kräften sein bereit, 
und mein Leib mit allen Sinnen 
soll nichts ohne dich beginnen; 
mein Gemüte soll an dich 
denken jetzt und ewiglich.

Nimm mich an, o Jesu mein, 
denn ich wünsche dein zu sein! 
Dein verleib' ich, weil ich lebe, 
dein, wenn ich den Geist aufgebe. 
Wer dir dient, du starker Held, 
der beherrscht die ganze Welt.

Angelus Silesius 
(eigentlich Johannes Scheffler)

Der Weihnachtsbaum

Steht er da der Weihnachtsbaum 
Wie ein bunter goldner Traum, 
Spiegelt Unschuldkinderglück, 
All sein Paradies zurück.

Und wir schau'n und denken dann, 
Wie uns heut das Heil begann, 
Wie das Kindlein Jesus Christ 
Heut zur Welt geboren ist;

Wie das Kind von Himmelsart 
Lag auf Stroh und Halmen hart, 
Wie der Menschheit Hort und Trost 
Erdenelend hat erlost.

Also steh'n und schauen wir 
Gottes Lust und Gnade hier: 
Was uns in dem Kindlein zart 
Alles heut geboren ward.

Blüh' denn, leuchte, goldner Baum, 
Erdentraum und Himmelstraum, 
Blüh' und leucht' in Ewigkeit 
Durch die arme Zeitlichkeit!

Sei uns Bild und sei uns Schein, 
Daß wir sollen fröhlich sein, 
Fröhlich durch den süßen Christ, 
Der des Lebens Leuchte ist.

Sei uns Bild und sei uns Schein, 
Daß wir sollen tapfer sein 
Auf des Lebens Pilgerbahn, 
Kämpfend gegen Lug und Wahn.

Sei uns Bild und sei uns Schein, 
Daß wir sollen heilig sein, 
Rein wie Licht und himmelklar, 
Wie das Kindlein Jesus war.

Ernst Moritz Arndt

Die heil'gen Drei Könige

Die heil'gen Drei Könige aus dem Morgenland,
sie frugen in jedem Städtchen:
Wo geht der Weg nach Bethlehem,
ihr lieben Buben und Mädchen?

Die Jungen und Alten, sie wussten es nicht,
die Könige zogen weiter,
sie folgten einem goldenen Stern,
der leuchtete lieblich und heiter.

Der Stern bleibt stehn über Josefs Haus,
da sind sie hineingegangen;
das Ächslein brüllt, das Kindlein schrie,
die heil'gen Drei Könige sangen.

( Heinrich Heine )

Weihnachtszauberwelt

Es wird kalt und dünnes Eis verschließt die Pfützen,
alle Dächer tragen weiße Zipfelmützen.
Sterne funkeln frisch geputzt am Himmelszelt.
Der Weihnachtsmann wacht auf und blickt hinunter auf die Weihnachtszauberwelt.

Refrain: Bald ist Weihnachten wir freuen uns so sehr,
zünden Kerzen an es werden immer mehr.

Bald ist Weihnachten wir freuen uns wie verrückt,
ein paar Tage noch dann wird der Baum geschmückt.

Weihnachtsplätzchenduft schwebt aus der Küchentüre,
kitzelt meine Nase, bis ich Hunger spüre.
Bei Kakao und Kuchen wird dann leis erzählt:
Du musst die Augen öffnen nur so siehst Du auch die Weihnachtszauberwelt.

Refrain: Bald ist Weihnachten wir freuen uns so sehr,
zünden Kerzen an es werden immer mehr.

Bald ist Weihnachten wir freuen uns wie verrückt,
ein paar Tage noch dann wird der Baum geschmückt.

Selbst gemachte Sachen bastel ich im Keller,
am Adventskranz leuchten Kerzen immer heller,
und der Tannenbaum wird bald schon aufgestellt.
Dann wissen alle Menschen, sie ist endlich da, die Weihnachtszauberwelt.

Refrain: Bald ist Weihnachten wir freuen uns so sehr,
zünden Kerzen an es werden immer mehr.

Bald ist Weihnachten wir freuen uns wie verrückt,
ein paar Tage noch dann wird der Baum geschmückt.

Drauss'n vom Walde

Von drauss'n vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Alüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit grossen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
da rief's mich mit heller Stimme an:
Knecht Ruprecht, rief es, alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan.

Alt' und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!

Ich sprach: Ho lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo's eitel gute Kinder hat.

Hast denn das Säcklein auch bei dir?
Ich sprach:Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.

Hast denn die Rute auch bei dir?
Ich sprach: Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten!
Christkindlein sprach: So ist es recht!
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!

Von draussn' vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hier drinnen find!
Sind's gute Kind sind'a böse Kind?