Woher kommt der Weihnachtsmann?

Vor über 100 Jahren, genauer zum Weihnachtsfest 1897, schrieb die kleine Virginia O'Handon aus New York folgenden Brief an die amerikanische Tageszeitung "The sun": "Ich bin 8 Jahre alt, einige von meinen Freunden sagen: es gibt keinen Weihnachtsmann. Papa sagt, was in der "Sun" steht, ist immer wahr. Bitte sagen Sie mir, gibt es einen Weihnachtsmann?"
Diese Frage rührte Sun-Chefredakteur Francis Church und er antwortete auf der Titel-Seite seiner Zeitung: "Der Weihnachtsmann lebt und ewig wird er leben, sogar in 10 mal 10.000 Jahren wird er da sein, um Kinder wie dich mit Freude zu erfüllen, Frohe Weihnacht, Virginia, dein Francis Church!"

Damit wäre das geklärt - zumindest für die Vereinigten Staaten von Amerika. Aber wie ist das in Europa, genauer: in Deutschland - wo bleibt bei uns der Weihnachtsmann?

Der Nikolaus, wie wir ihn heute kennen ist entstanden aus 2 verschiedenen Figuren, wie wir heute wissen: Zwei bischöfliche Gestalten aus Klein-Asien und zwar Bischof Nikolaus von Myra und Bischof Nikolaus von Sion. Der Nikolaus von Myra lebte im 3. Jahrhundert, seine Legenden tauchen ab dem 5. Jahrhundert auf, erreichen im 8. Jahrhundert hier das westliche Europa und sind seit dieser Zeit auch hier bei uns Zuhause. Der Nikolaustag ist der 6. Dezember. Und genau an diesem Tag wurden auch früher die Kinder beschert - bis zur Reformation Martin Luthers, der die Heiligen kurzerhand abschaffte. (Luther hat die Bedeutung der Heiligen eher reformiert und betrachtet sie als Glaubensvorbilder, als dass er sie "abgeschafft" hätte...) "

Da dieses überaus populäre Fest des Nikolaus aber mit Kinderbeschenken verbunden war und man es deshalb nicht einfach ersatzlos verschwinden lassen konnte, hat Luther das Schenken von Nikolaus losgelöst und auf Weihnachten verlegt. Dafür brauchte er eine neue Geschenkfigur und da das der Nikolaus nicht mehr sein durfte, hat er eine neue Figur übernommen, die er im Elsaß vorgefunden hat, nämlich das sogenannte Christkind.

Für dieses Christkind gilt genau das gleiche wie für Nikolaus: es taucht eigentlich selber nicht auf, man hat nur von ihm gehört, die Gardine wackelt noch grade, weil er da gewesen ist, es riecht nach ihm, aber man sieht es eigentlich nicht."
Von wegen - jedes Kind, weiß wie das Christkind aussieht: "Das Christkind ist ganz weiß und sieht fast so aus wie ein Gespenst, hat Flügel und bringt die Geschenke!" Aber nur im Westen und Süden Deutschlands - wo die Katholiken wohnen. Denn "das Christkind ist seit den 30er Jahren katholisch geworden und wird sich heute meistens in katholischen Familien noch finden, während der Weihnachtsmann vielfach in evangelischen Familien Zuhause ist.

Endlich kommt der Weihnachtsmann ins Krippen-Spiel. Das 1. Klassische Weihnachtsmann-Modell, noch genannt der böse Niklas, taucht 1845 auf der dem Arzt Hoffmann, der Geschichten für seine Kinder zeichnete, die dann unter dem Titel "Struwwelpeter" erschienen sind. Diese Figur wandert aus nach Amerika, wird dort zum Santa Claus, wird dann zum Father Christman und wird ungeheuer populär durch eine Werbeaktion einer Firma, die eine bekannte braune Brause herstellt.

Ein schöner Limo-Hersteller macht also aus dem ursprünglichen hageren, heiligen Nikolaus mit Bischofsmütze , Stab und festlichem Gewand einen pausbäckigen Opa mit Bömmelmütze und Anzug in den Firmen-Farben rot und weiß - den Weihnachtsmann. "Er tritt faktisch ab September überall auf und ist das Erkennungszeichen einer konsumfreudigen Zeit geworden."