Lebensgeschichte des hl. Nikolaus:

Nikolaus wurde Ende des 3. Jahrhunderts in Patras als einziger Sohn wohlhabender Eltern geboren. Während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian wurde er im Jahre 303 gefangen genommen und inhaftiert, bald aber wieder frei gelassen. Anfang des 4. Jahrhunderts wurde er Bischof in Myra und nahm in dieser Eigenschaft 325 am Konzil von Nikaia teil. Gestorben ist der Heilige 342 oder 347 in Myra.

Geschichte der Verehrung:

Die Verehrung des Bischofs als Heiliger muss schon bald nach dessen Tod eingesetzt haben, denn bereits im 6. Jahrhundert gibt es in der Ostkirche zahlreiche Kirchen mit einem Nikolauspatrozinium. In der Westkirche setzt sich die Verehrung dieses Heiligen viel langsamer durch: zunächst nur im Mittelmeerraum und erst nachdem 1087 italienische Seeleute seine Gebeine ausgegraben und nach Bari gebracht haben allmählich im Gebiet nördlich der Alpen ( aufgrund der Beziehungen zwischen Italien und den deutschen Kaisern).
Mit der Reformation tritt vor allem in protestantischen Gebieten die Verehrung des Heiligen zurück.

 

Legenden:

Nikolaus und die drei Goldklumpen

Der Heilige, der von seinen Eltern ein reiches Erbe erhalten hatte, soll den drei Töchtern eines verarmten Edelmannes nachts drei Goldklumpen durchs Fenster geworfen haben, um ihnen so eine Aussteuer zu sichern und sie vor sozialer Schande zu bewahren.

Die Bischofswahl

Als der Bischof von Myra gestorben und die Christen dort zunächst ratlos waren, wer nun seine Nachfolge antreten sollte, soll ein alter Mann der Gemeinde ihnen von seinem Traum erzählt haben, in welchem er eine Stimme gehört hatte, die ihm sagte, dass er morgens früh beim Gottesdienst die Kirchentür gut hüten und den ersten Mann, der in die Kirche komme und Nikolaus heiße, zum Bischof ernennen wolle. Als der Heilige am Morgen ahnungslos die Kirchentür geöffnet und auf die Frage des Mannes hin seinen Namen genannt habe, sei er, zunächst gegen seinen Willen, zum Bischof gewählt worden.

Nikolaus und die drei Knaben

Drei Schüler waren auf der Wanderschaft bei einem Metzger vorbeigekommen und hatten diesen um Obdach gebeten. Der Metzger soll die drei Buben erschlagen und in einem Salzfaß eingepökelt haben. Als eines Abends Nikolaus bei eben diesem Metzger vorbei kam und dieser ihm das Pökelfleisch vorsetzte, habe der Heilige gleich die Art des Essens erkannt und durch seinen Segen die Jungen wieder zum Leben erweckt.

Nikolaus und die Schiffer in Seenot

Eine andere Legende erzählt, der Heilige sei Schiffsleuten erschienen, als ein Sturm deren Schiff zu zerstören drohte. Auf seine Fürbitte hin soll sich der Sturm beruhigt und das Schiff sicher seinen Bestimmungshafen erreicht haben.

Nikolaus und die Errettung aus Hungersnot

In der Zeit einer großen Hungersnot in seiner Stadt soll Nikolaus die Kapitäne von drei Getreideschiffen, die vor einem Sturm Schutz im Hafen von Myra gesucht hatten, überzeugt haben, den hungernden Menschen Korn aus der Getreideladung, die für den Kaiser bestimmt war, zu überlassen. Unter der Aufsicht des Bischofs wurde das Korn an die bedürftigen Familien verteilt und ein Teil zur Aussaat ausgegeben. Als die Schiffsleute aber ihre Ladung unter der Aufsicht der kaiserlichen Beamten löschten, hatten sie genau so viel Maß Korn an Bord, wie sie in Alexandria geladen hatten, bevor sie sich auf See begaben.

Nikolausgebräuche:

1. Nachdem Nikolaus seine zweite Ruhestätte in Bari gefunden hatte, gab es dort alljährlich an seinem Gedenktag eine große Prozession mit einer goldenen Statue des Heiligen, die mit einem Schiff auf's Meer hinaus gebracht , am Abend zurückgefahren und - ähnlich wie bei der Überführung der Gebeine - mit großer Festlichkeit zur Kirche zurückgetragen wurde.
Aufgrund der Legenden, die Nikolaus mit Seeleuten als deren Beschützer und Helfer aufzeigen, gilt der Heilige bis in unsere Tage als Patron der Seefahrer und es werden ihm zu Ehren Schiffsprozessionen abgehalten.

2. Wegen der Hilfe, die Nikolaus den drei Töchtern des Edelmannes zukommen ließ, gilt der Heilige auch als Schutzpatron und Helfer der heiratslustigen Mädchen. In Rom war es jahrhundertelang Usus, das im Wechsel eine der vielen Nikolauskirchen jedes Jahr ein armes Mädchen aus ihrem Kirchengut mit einer Mitgift ausstattete und ihm so eine Hochzeit ermöglichte.
In Valencia gab es den Brauch, dass die jungen Mädchen Kränze und Blumensträuße zur Statue des Heiligen brachten und ihn um Hilfe baten bei der Suche nach einem guten Ehemann. Dabei sollen auch Taubenfedern in die Luft geworfen worden sein: Je schneller die Federn zu Boden fielen, desto größer die Heiratsaussichten.
Auf dieses Patronat für die Heiratswilligen weisen auch die sogenannte Nikolaussteine (etwa bei Berchtesgaden oder bei Chenaye in der Nahe von Bayeux) und zahlreiche alte Votivtafeln hin, auf denen dem Heiligen für eine glückliche Heirat gedankt wird.

3. Sei dem 10./11. Jahrhundert ist der heilige Nikolaus als der Schutzpatron der Kinder besonders bekannt. So gab es etwa in den ansonsten doch eher streng gefährten Schulen den Brauch, dass am Fest des Heiligen Nikolaus die Schüler für einen Tag die Herrschaft in der Schule übernahmen (eine Art Narrenfest). Die Schüler wählten aus ihren Reihen einen Kinderbischof, der dann einen Tag regieren durfte, dem allerdings - zusammen mit zwei Kinderdiakonen als Gehilfen - die Aufgabe zukam, die einzelnen Schüler zu beschenken. Damit verbunden war aber auch die Pflicht, die einzelnen Schüler wegen Fleß und guter Führung zu loben, andere wegen ihrer Faulheit zu tadeln. Mit dem übergreifen des Nikolausbrauchtums in das Gebiet nördlich der Alpen kam es zu einer eigentümlichen Vermischung der sehr südlich geprägten Nikolausverehrung als einer segnenden, menschenfreundlichen Heiligen mit uralten germanischen Kultelementen die den Heiligen zum Schrecken für viele Kinder werden ließen.

Aus dem germanischen Glaubensbereich entstammen die Begleiter des Nikolaus:

Buttenmandel, Knecht Ruprecht, Hans Muff, Krampus, Frau Holle, Nikolausweibl und viele andere vermummte Gestalten, die oft bis zur Grausamkeit entstellten

Tierbegleiter:

Habergeiß, Klapperbock, Schnappbock usw., und auch die Rute des Heiligen, die - Ähnlich wie die Martinsgerte - urspünglich als Segenszweig und als Gabe gedacht war.

Die Verbindung des Nikolausbrauchtums mit diesen germanischen Kultelementen einerseits und die Verlagerung des Schulfestes auf den Gedenktag des Heiligen andererseits brachten es mit sich, dass der Heilige durch die Jahrhunderte hindurch bis in unsere Zeit fast immer zugleich segnend und strafend auftritt.
Nikolaus der Kinder- und Menschenfreund wurde dabei zum Zuchtmeister bis zur Schreckgestalt des Kinderfressers verzerrt.
Mit der Reformation im 16. Jahrhundert verliert die Nikolausverehrung vor allem in protestantischen Gegenden an Bedeutung. Weil aber die Gestalt des Gabenbringers nicht zu verdrängen war, entwickelten sich ab dieser Zeit zwei große Überlieferungsstränge: in protestantischen Gegenden wurde der 24. Dezember zum eigentlichen Gabenbringerfest, an dem dann allerdings nicht mehr der Heilige die entscheidende Rolle spielte, sondern das Christkind, das während der Nacht seine Gaben in bereitgelegte Schuhe, Strümpfe und Teller verteilte;

in katholischen Gegenden bliebt weiterhin das Brauchtum um den heiligen Bischof und seine wilden Gesellen lebendig.

Mitte des 19. Jahrhunderts brachte allerdings eine Zeichnung Moritz von Schwindts eine Umgestaltung von Nikolaus und Christkind:
Er kreierte für den Bilderbogen eines Herrn Winter, der dann bald als Weihnachtsmann mit roter Kutte, weißem Bart, schwarzen Stiefeln und Pelzmütze weit über die Grenzen Deutschlands hinaus sehr popuä¤r wurde und heute mehr denn je als akularisierter Nikolausâ Geschenke verteilt.

4. Das Brauchtum, das heute am Nikolaustag noch gepflegt wird, ist nach Regionen ziemlich unterschiedlich. So finden sich verschiedentlich noch Nikolausspiele, bei denen neben dem Nikolaus noch allerlei andere, mitunter sehr raue Gestalten mitwirken: etwa Klabrufe, Engel, Teufel, Jäger, Pilger, Bettler etc.
Es gibt auch noch, vor allem in der Schweiz, die so genannten Nikolaus-Artaefakte. Am weitesten verbreitet sind allerdings die Nikolausprozessionen und -umzüge und die Nikolausbesuche in den einzelnen Familien.
Eine Sonderform des Nikolausbrauchtums ist in den Niederlanden beheimatet: Sinterklaas, der alljährlich schon Mitte Dezember mit einem Schiff aus Spanien in Amsterdam ankommt. Im vollen Ornat, mit Stab, Mitra und großem Gefolge: Neger, Indianer, Märchenfiguren etc. wird er mit Schiffssirenen und Pauken und Trompeten bei seiner Ankunft von Tausenden von Kindern begrüßt und vom Bürgermeister der Stadt empfangen. Am 4. Dezember besucht Sinterklaas dann die Familien und wird dort mit Glühwein, Apfelkuchen und Gebäck bewirtet. In der Zwischenzeit aber - von seiner Ankunft bis zum eigentlichen Nikolaustag - beschert er den Kindern - durch den Kamin - jede Nacht Gebäck und Süßigkeiten.